Wichtigtuerisch im sowjetischen Stil mit dem GAZ-24 Wolga

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Automatische Konzepte

In der klassenlosen Gesellschaft, die der Kommunismus anstrebte, sollte es keine Unterschiede geben, doch ein GAZ-24 Wolga war nur wenigen Auserwählten vorbehalten. Er diente als Statussymbol für einflussreiche Persönlichkeiten, die sich dem einfachen Volk überlegen fühlten. Als heutiger Besitzer ist es fast unmöglich, dieses Gefühl loszuwerden, und irgendwie trägt das zum Kultstatus dieses Autos bei. 

Von: Aart van der Haagen

Daniël Bouwmeester war während eines Besuchs in der Ukraine im Jahr 2019 vom GAZ-24 Wolga fasziniert. „In Kiew besuchte ich Vintage Motors, ein Unternehmen, das sich auf exklusive Fahrzeuge aus der Sowjetzeit spezialisiert hat. Dort sah ich den GAZ-24 mit V8-Motor, der speziell für den KGB in Schwarz mit roter Innenausstattung geliefert worden war. Das war sofort mein Lieblingsmodell, aber die Preise schießen heutzutage in die Höhe.“

„Dieses Modell gehört unter Liebhabern zu den begehrtesten Exemplaren, genau wie die relativ seltene Kombiversion, Krankenwagen und die Scaldia-Volgas aus Belgien“, erklärt Hauptmann Zubek, der seit rund zwanzig Jahren in Polen eine Werkstatt betreibt, die sich ausschließlich dem GAZ-24 widmet und von der aus er Kunden aus ganz Europa und darüber hinaus betreut. Er verfügt über ein beeindruckendes Ersatzteillager. „In unserer Region wird das Modell als ‚russischer Mercedes‘ bezeichnet.“ Diese Bezeichnung sollte man allerdings mit Vorsicht genießen. „Der GAZ-24 entspricht nicht annähernd den Qualitätsstandards, die wir von der Industrie in Westeuropa erwarten.“ 

GAZ-24 Wolga-Diesel

Schnelle Modellwechsel waren im Ostblock nie die Regel. Gorkovsky Avtomobilny Zavod nahm den Ende 1967 vorgestellten GAZ-24 nach einer dreijährigen Testphase am 15. Juli 1970 in Produktion und baute ihn bis 1985. Danach wurde er bis 1992 als überarbeiteter GAZ-2410 parallel zur stark modernisierten Baureihe unter der Bezeichnung 3102 weitergeführt. Abgesehen von der KGB-Version mit einem 5,5-Liter-V8-Motor und Dreigang-Automatikgetriebe hielt das Werk die Motorenpalette mit einem 2445 cm³ großen Aluminium-Vierzylinder-ZMZ-Motor und einem Viergang-Schaltgetriebe relativ übersichtlich. In Belgien, bei Scaldia, sah die Sache jedoch anders aus.

Kapitän Zubek: „Die Waggons und Ersatzteile kamen per Bahn an. Meist ohne Motor, denn der Wolga M24 – so hieß das Modell damals – wurde fast immer auf Diesel umgerüstet, mit einem 2,1- und später einem 2,3-Liter-Indénor-Motor von Peugeot.“ Der niederländische Importeur Gremi verlangte Ende 1972 15.500 Gulden dafür. Ein sehr günstiger Preis, doch die hohe Kfz-Steuer schreckte die Kunden ab, und der Taximarkt zögerte, das Fahrzeug zu kaufen. Die Belgier hingegen waren dank günstiger Steuerbedingungen begeistert, insbesondere vom siebensitzigen Kombi. 

Unleserliche Inschriften auf Daniel Bouwmeesters GAZ-24 Wolga

Um einen GAZ-24 zu erwerben, musste Daniël Bouwmeester nicht nach Osteuropa reisen. Er bekam ihn quasi geschenkt, als ihn ein Freund auf ein frühes Exemplar von 1971 bei Gerard Kramer Klassiekers in Wolvega aufmerksam machte. „Es war die Originalversion mit dem Bandtacho. Ursprünglich grün lackiert, später weiß. Sicherlich kein Topmodell, aber unverbastelt, überhaupt nicht verrottet und in gutem Zustand, insbesondere nach dem Austausch der rissigen Innenausstattung. Ich musste ihn allerdings technisch überprüfen.“ Bouwmeester verlieh dem nüchternen sowjetischen Ambiente mit einigen fast schon verspielten Accessoires eine persönliche Note: glitzernde Türschlossstifte und ein kitschiger Schalthebel aus gehärtetem Epoxidharz mit integrierter Rose. So ist das eben unter Liebhabern von Kultautos aus dem Ostblock. „Er hat russische Diagonalreifen. Die fahren sich miserabel, aber Puristen lieben sie.“ Die zahlreichen unleserlichen Schriftzüge an Karosserie und Armaturenbrett tragen zur besonderen Atmosphäre bei. Genau das will man von einem Kultauto aus der Sowjetunion. 

Den vollständigen Artikel mit vielen Fotos finden Sie in der Dezemberausgabe von Auto Motor KlassiekDas befindet sich immer noch im Kiosk.

(Unten sind noch einige Bilder.)

Wichtigtuerisch im sowjetischen Stil mit dem GAZ-24 Wolga
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4 Kommentare

  1. Ich habe sechs Monate in St. Petersburg gelebt und sie regelmäßig gesehen. Ich glaube, die Wolga-Fahrer hatten noch ein Röhrenradio in ihrem Auto.
    Wer spielte noch viele mehr

  2. War dieser großzügige Stahl aus der Wolga besser als der weniger großzügige Stahl, der an deutsche Autohersteller verkauft wurde? Korruption in ihrer reinsten Form? Oder war es gängige Praxis und wurde allgemein akzeptiert?

  3. Mein Onkel hatte so einen Kombi mit einem 2,1-Liter-Peugeot-Dieselmotor. Wegen des schweren Fahrgestells und der geringen Motorleistung war er innerhalb weniger Tage leer, aber wen kümmerte das damals schon? In Belgien konnte man seine Großfamilie sehr günstig transportieren, und oft musste man einfach nur im Stau stehen.
    Ab den 80er Jahren wurde der verchromte Kühlergrill durch einen schwarzen Kunststoffgrill ersetzt, was optisch keine wirkliche Verbesserung darstellte.
    Heutzutage vermissen wir diese Art von Autos: groß, einfach und sehr günstig von A nach B, ohne unnötigen Schnickschnack.

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