Projekt Escort V6: Präzisionsarbeit aus Friesland

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Automatische Konzepte

Wer in Ruinerwold an Gertjan Swieringas hellblauem Ford Escort vorbeiging, sah zunächst einen gepflegten Escort der ersten Serie, genau wie ihn Opa gefahren haben könnte. Keine Spoiler, keine auffälligen Streifen, keine gewölbte Motorhaube. Höchstens die etwas zu breiten Felgen und die ungewöhnliche zweiteilige Frontstoßstange. Nur wer genauer hinsah oder anhielt, erkannte, dass es sich nicht um einen anständigen 1100er oder 1300er handelte. Und dann dieses Emblem auf dem Kotflügel: 3000 V. Gertjan lächelt noch immer. Motorhaube hoch, und ja, da ist er: ein Ford Essex 3.0 V6.

Von: Max der Krieger

Wolf im Schafspelz

Der Escort eignet sich ideal für diese Art der Tarnung. Der Ford Escort ist kompakt, leicht, zeitlos designt und wurde in den Niederlanden in großen Stückzahlen verkauft. Zwischen 1968 und 1975 liefen weltweit über zwei Millionen Escorts vom Band. Das macht ihn bei Restauratoren und allen, die etwas Besonderes suchen, gleichermaßen beliebt. Genau das wollte Gertjan: ein unauffällig schnelles Auto ohne Schnickschnack. „Er musste aussehen, als wäre er serienmäßig“, sagt er. Keine Wölbung auf der Motorhaube, kein Rennwagen-Look. Nur Kenner werden es erkennen.

Auffällig ist: Die Reifen sind breiter als von Ford ursprünglich vorgesehen, und die Frontstoßstange unterscheidet sich vom Original. Dies ist keine ästhetische Entscheidung, sondern eine Notwendigkeit. Auch die Technik darunter ist komplett anders.

Vom Scheunenfund zur ernsthaften Herausforderung

Die Basis war überraschend solide. Der Ford Escort hatte seit 1995 gestanden und stammte aus Vorbesitz. Kritische Bereiche wie die Federbeine waren noch in gutem Zustand – bei Mk I Escorts eher die Ausnahme als die Regel. Das machte ihn geeignet für ein ambitioniertes Vorhaben. Bevor der erste Winkelschleifer zum Einsatz kam, war ein Besuch beim RDW (Niederländische Zulassungsbehörde) notwendig. Ein kluger Schachzug, denn bei einem Motortausch dieser Größenordnung möchte man im Vorfeld wissen, was einen erwartet. Mit den richtigen Papieren und Vereinbarungen konnte die eigentliche Arbeit beginnen.

Das geschah in der Werkstatt in Swieringa in Friesland, zusammen mit Vater Henk. Platz, Werkzeug und Erfahrung waren vorhanden, aber selbst dann ist der Einbau eines Essex V6 in einen Ford Escort keine einfache Angelegenheit, bei der man ihn einfach einsetzt und anschraubt.

Raum ist relativ

Ein Sechszylinder in so einer kleinen Frontpartie bedeutete viel Ausprobieren und ständige Neuerungen. Der Getriebetunnel wurde vergrößert, die Batterie in den Kofferraum verlegt, und ein serienmäßiger Hilfsrahmen erwies sich als unbrauchbar. Also bauten sie selbst einen. Ausrichtung, Aufhängungspunkte, Lenkung: Alles musste perfekt sein. Der Motor wurde so tief und so weit hinten wie möglich montiert, um eine bessere Gewichtsverteilung zu erzielen und die originale Motorhaube zu erhalten.

Die Abgaskrümmer landeten ebenfalls im Müll. Sie passten einfach nicht. Die Lösung war ein typisches Bastelprojekt: Zuerst wurde eine Konstruktion aus PVC-Bögen entworfen, alles zusammengefügt und mit Klebeband fixiert, dann wurde das Ganze in Stahl nachgebaut. Ein Fehler? Dann geht es von vorne los. Es dauerte viele Samstage, aber das Ergebnis war ein perfekt passendes System.

Britische Technologie mit einem Umweg

Bei dieser Leistung musste auch das restliche Fahrgestell überarbeitet werden. Die Karosserie erhielt einen Rallye-Verstärkungssatz, die Schraubenfedern stammten von einem Capri, und die Hinterachse ist ein Jaguar-Modell. Das klingt seltsam, denn eine Jaguar-Hinterachse ist viel zu breit für einen Ford Escort. Stimmt. Aber ein Reliant Scimitar hatte eine gekürzte Jaguar-Hinterachse mit Einzelradaufhängung. Ein solcher Scimitar wurde gefunden, gekauft und ausgeschlachtet. Die Hinterachse ist jetzt im Ford verbaut; der Reliant-Motor liegt noch immer auf dem Dachboden.

Die Suche nach Ersatzteilen führte Vater und Sohn regelmäßig nach England, wo fast alles für den Ford Escort noch erhältlich ist. Zumindest bis zum Brexit. Die Preise verdoppelten sich mitunter über Nacht. Trotzdem wurde der Wagen fertiggestellt, inklusive seltener Details wie einer richtigen Hutablage. Die Lackierung wurde extern vergeben; der Rest erfolgte in Eigenregie. Türverkleidungen wurden nachgebaut, Sitze neu bezogen und das Armaturenbrett stammte aus einem Escort Mexico, komplett mit Öldruck- und Temperaturanzeige. Nicht nur attraktiver, sondern bei einem solchen Motor auch unerlässlich.

Der Klang spricht für sich.

Die Fahrt bestätigt alles. Der Anti-Tramp-Bügel hält die Hinterachse optimal unter Kontrolle, und das kernige Grollen des Essex lässt sein Potenzial erahnen. Im Stadtverkehr ist er leise, aber unter dem Gaspedal spürt man stets die Spannung. Ein Zusatzlüfter sorgt für zusätzliche Kühlung. Der Motor dreht relativ hoch; ein Fünfganggetriebe oder andere Getriebeoptionen stehen noch auf der Wunschliste. Der Bau dauerte fünf Jahre, fast jedes Wochenende. Verkaufen? Gertjan denkt nicht einmal daran. Er ist definitiv einzigartig und wurde mit mehr Arbeitsstunden gebaut, als man jemals wieder reinholen könnte. Der nächste Traum wartet schon: ein amerikanischer Pickup. Die Bastelei geht weiter.

Den vollständigen Artikel über diesen Ford Escort V6, inklusive Restaurierungsfotos, können Sie hier lesen: Auto Motor Klassiek Diese einzigartige Ford Escort Edition ist auch im Januar 2026 noch am Kiosk erhältlich.

(Die Fotos finden Sie weiter unten.)

Projekt Escort V6: Präzisionsarbeit aus Friesland
Projekt Escort V6: Präzisionsarbeit aus Friesland
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4 Kommentare

  1. Dieser Wagen sieht fantastisch aus. Ich kann das beurteilen, denn ich war in den 70er- und 80er-Jahren Ford-Mechaniker. Ich bin überzeugt, dass in so einem Projekt unzählige Arbeitsstunden stecken, aber Sie ernten jetzt die Früchte Ihrer Arbeit. Ich glaube, viele Leute sind ganz überrascht, wenn sie den Motor starten und den wunderschönen Auspuffsound hören … damit rechnet niemand.
    Kümmere dich darum.

    Peter

  2. Super cool, Kompliment!
    Und ein US-amerikanischer Pickup macht auch so viel Spaß, ich bin gespannt, was die Pläne sind. Hier ist ein wirklich schöner (und mittlerweile klassischer) Ausgangspunkt mit einem 7,2-Liter-V8 😉

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