Einsendeschluss für die Juli-Ausgabe -> 19. Mai
Retro Classics Essen füllt die Lücke im April… muss sich aber erst noch beweisen.
Jahrelang wusste man im April genau, wo man sein musste: Essen, Techno-Classica. Schnell die besten Schuhe anziehen, viel zu früh reingehen und sich dann zwischen Clubständen, Händlern, Ersatzteilen, Kaffee, dem Geruch von Leder und dem typischen Messe-Geräusch verlieren – all jene, die eigentlich nur mal schauen wollten, aber insgeheim schon Kaufabsichten hegten. Dieses feste Frühlingsritual ist Geschichte. Die Techno-Classica wurde in den Herbst verschoben und verlässt auch Essen. Genau deshalb ist die Retro Classics Essen 2026 plötzlich interessant. Nicht etwa, weil sie automatisch den alten Namen ersetzt, sondern weil sie in den vertrauten Hallen etwas Neues wagen kann.
Und seien wir ehrlich: Das macht neugierig. Für Enthusiasten ist die Messe Essen nach wie vor ein absolut verlässlicher Veranstaltungsort. Die Hallen strahlen Geschichte, Größe und Atmosphäre aus und verleihen einer Messe sofort Gewicht. Doch eine Oldtimermesse ist mehr als ein Hallenplan und ein paar glänzende Ausstellungsstücke. Sie lebt von der Mischung. Vom seriösen Händler neben dem Clubmitglied mit seinem Ordner voller Dokumentation. Vom Teilehändler, der schon um halb elf eine Chromleiste unter dem Arm hat. Vom Enthusiasten, der bei einem bestimmten Auto verweilt, weil sich damit eine Kindheitserinnerung verbindet. Genau hier muss sich die erste Essener Ausgabe der Retro Classics beweisen.
Die Vorzeichen stehen gut. Das Angebot scheint breit genug gefächert zu sein, um nicht nur ernsthafte Sammler und bekannte Namen anzusprechen, sondern auch den Gelegenheitsliebhaber, der einfach nur stöbern möchte. Das liegt nicht nur an den großen Ständen und dem internationalen Handel, sondern insbesondere am Verkaufsbereich und der Einsteigerecke für Fahrzeuge bis etwa zehntausend Euro. Letztere halte ich für das beste Zeichen. Eine Messe kann nur dann bestehen, wenn auch realisierbare Träume wahr werden und nicht nur perfekt restaurierte Luxuskarossen auf dem Teppich präsentiert werden.
Auch in puncto Publikumsmagneten sieht es gut aus. Die Sonderschau zum 100-jährigen Jubiläum des Bugatti Royale klingt herrlich übertrieben, genau so, wie es sein sollte. Drei Rekonstruktionen dieser fast schon mythischen „Missing Royales“ an einem Ort – das ist nichts, woran man achtlos vorbeigeht. Gleichzeitig ist es klug, dass es ganz unterschiedliche Akzente daneben gibt. Opel lässt sich für 125 Jahre Motorsport und Modelljubiläen nicht lumpen. Es wird eine „British Lane“ geben, wo man MG aus nächster Nähe bewundern kann. TriumphMan riecht den Rover und eine Prise Sturheit, und draußen erstreckt sich eine Unimog-Teststrecke, wo die Dinge etwas dynamischer werden. Diese Vielfalt ist wichtig, sonst verkommt eine solche Veranstaltung zu einem stummen Ausstellungsraum.
Was Retro Classics als Marke bereits anderswo bewiesen hat, ist, dass sie verstehen, dass Atmosphäre nicht allein durch Exklusivität entsteht. In Stuttgart im letzten Jahr funktionierte diese Kombination aus Fachbesuchern, Marken, Clubs, Jubiläumspräsentationen und einer entspannteren Publikumsatmosphäre hervorragend. Nicht alles war dort heilig; es gab einige Beschwerden über die Randstände und darüber, wie überfüllt – oder eben nicht – manche Ecken waren, aber vielleicht ist das ja gerade beruhigend. Eine gute Messe braucht etwas Unkonventionelles. Sie muss nicht steril sein. Lieber eine lebendige Halle mit angeregten Gesprächen, unterschiedlichen Geschmäckern und einem Überangebot an Ausstellungsstücken als ein klinisch steriles Setup, in dem die ganze Begeisterung nach zwanzig Minuten verflogen ist.
Nein, man sollte die Retro Classics Essen 2026 nicht als Kopie der Vorgänger betrachten. Das wäre ohnehin zum Scheitern verurteilt. Sehen Sie sie vielmehr als ein neues Frühlingstreffen in vertrauten Hallen, mit einer etwas breiteren Perspektive und hoffentlich genügend frischen Ideen, um die Messe lebendig zu halten. Für alle, die im April immer ins Ruhrgebiet gefahren sind, ist diese Ausgabe ein absolutes Muss. Nur so können Sie beurteilen, ob Essen noch immer den alten Charme einer Messe besitzt. Ich vermute… die Chancen stehen gut. Weitere Informationen und Tickets finden Sie unter [Link einfügen]. www.retro-classics-essen.de.
Praktische Informationen: Die Retro Classics Essen 2026 findet vom 8. bis 12. April 2026 auf dem Messegelände Essen, Messeplatz 1, 45131 Essen, statt. Mittwochs ist die Messe von 13:00 bis 20:00 Uhr und von Donnerstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Eine Tageskarte kostet online 28 Euro und an der Kasse 29 Euro. Besucher, die später am Tag kommen, können ab 16:00 Uhr mit einem Happy-Hour-Ticket für 16 Euro eintreten. Die Parkgebühr beträgt maximal 18 Euro pro Tag.
Wie vielfältig die Retro Classics Messe in Stuttgart ist, können Sie unter anderem anhand der folgenden Fotos erkennen:

47 Euro nur für die Eintrittskarte plus Parkgebühren; solche Veranstaltungen werden aufgrund ihrer hohen Preise allmählich für unerschwinglich.
Die deutsche Wirtschaft verschlechtert sich stetig, begleitet von sehr hohen Arbeitsplatzverlusten; folglich schrumpft auch die Gruppe der Menschen, die sich noch ein Hobby leisten können.
Der Vorteil dabei ist, dass Modelle, die jahrelang überteuert waren, allmählich wieder erschwinglich werden, und dass es nach den wahnsinnigen Preissteigerungen der letzten 15 Jahre auch wieder möglich sein könnte, Schnäppchen für Alltagsklassiker zu finden.