Tatra 87 (1947), ein museumsreifes Hobbyauto

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Einsendeschluss für die Juli-Ausgabe -> 19. Mai

Automatische Konzepte

Wir waren angenehm überrascht von der Entdeckung eines ganz besonderen Oldtimers. Der Besitzer wünschte sich, dass sich der Artikel ausschließlich auf das „Meisterwerk“ selbst konzentriert und keine Namen oder Orte nennt. Diesen Wunsch respektieren wir gerne. Dennoch möchten wir die Geschichte des Wagens und die Leidenschaft seines Besitzers erzählen, der über die Jahre eine kleine Sammlung aufgebaut und diese verkauft hat, um sich seinen Traumwagen, den Tatra 87, leisten zu können.

Stromlinienförmige Form

Die markante Karosserie zeichnet sich durch die drei Scheinwerfer, das einzigartige Stromliniendesign, den niedrigen Luftwiderstandsbeiwert und die Heckflosse aus. Der luftgekühlte V8-Motor hat einen Hubraum von 2968 cm³ und leistet lediglich 75 PS. Dank des niedrigen Luftwiderstandsbeiwerts reicht dies jedoch aus, um den Wagen auf 160 km/h zu beschleunigen. Hans Ledwinka entwickelte unkonventionelle Ideen, wie beispielsweise die Verwendung des Zentralrohrrahmens, der später auch von Porsche bei der Entwicklung des VW Käfer eingesetzt wurde. Die markante Karosserie und die Glanzzeiten dieses Vorkriegsmodells dauerten bis 1950 an, als die Produktion dieses unterschätzten Meisterwerks eingestellt wurde.

Der Fund

Der Tatra 87 wurde in der Clubzeitschrift des Tatra Register Niederlande angeboten. „Ich wollte diesen Wagentyp schon immer mal als Hobbyauto fahren.“ Seiner Ansicht nach war die tschechische Industrie vor und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg der übrigen Welt voraus. Das Land geriet 1948 in eine Art „Lockdown“, als es kommunistisch wurde.

Als er Interesse bekundete, stellte sich heraus, dass ein zweiter Interessent den Wagen in sein Herkunftsland zurückbringen wollte. Das war zwar nicht optimal für die Verhandlungsposition, aber eine solche Gelegenheit dürfte sich wohl nicht wiederholen. Daher entschied man sich zum Kauf, obwohl der gewünschte Betrag nicht sofort verfügbar war. Der Verkäufer gewährte drei Monate Zeit, um die Finanzierung zu sichern. Innerhalb von zwei Monaten waren die anderen Tatras verkauft, und der 87er konnte abgeholt werden.

Laut dem Besitzer wurden diese Fahrzeuge hauptsächlich nach Tschechien, in die Slowakei und nach Polen verkauft. Ein Tatra 11 und ein Tatraplan wurden in den Niederlanden verkauft.

Der erste Besitzer

Der Erstbesitzer erhielt den Wagen im Januar 1947 von seinem Ministerium. Er war Minister im Kabinett der damaligen Tschechoslowakei. Die Ereignisse in der Tschechoslowakei im Jahr 1948 sind bekannt: Die Kommunistische Partei putschte mit russischer Unterstützung und riss die Macht an sich. Daraufhin floh der Minister 1948 mit dem Tatra in die Schweiz. Von dort reiste er weiter nach England und schließlich in die USA.

Das Fahrzeug blieb in der Schweiz und wurde fälschlicherweise mit dem Jahr 1948 als Erstzulassung registriert. Das „Vorkriegsmodell“, wie dieser 87er, wurde bis Mitte 1947 weiter produziert. Ende 1947 wurden Änderungen eingeführt, wobei der Besitzer die auffälligste Modifikation an den Scheinwerfern nannte: Sie standen nicht mehr hervor, sondern waren in die Form des Kotflügels und der Heckklappe integriert.

Von 1948 bis 2015 verblieb das Auto in der Schweiz. In diesem Jahr wurde es in die Niederlande gebracht und erhielt ein niederländisches Kennzeichen. Der damalige Besitzer verkaufte es recht schnell nach Deutschland an den Mann, von dem es der jetzige Besitzer erwerben konnte. 2023 kehrte das Auto in die Niederlande zurück.

Mein Hobbyauto

Bei Fahrten erntet der Besitzer die meisten Reaktionen auf die stromlinienförmige Karosserie und das charakteristische Heck mit der Rückenflosse. „Wir müssen auch oft Missverständnisse ausräumen: Es ist kein Russe, es ist kein Saab und es ist auch kein Zweitakter …“

Für ihn bietet der Oldtimer die beste Kombination aus Fahrkomfort, Leistung und Zuverlässigkeit. Das Auto wurde im Laufe seiner langen Geschichte nicht restauriert, sondern lediglich kleinere Mängel wurden gelegentlich behoben. Es ist nach wie vor voll fahrbereit. Der Innenraum ist geräumig und komfortabel mit hervorragender Rundumsicht, allerdings ist die Sicht nach hinten aufgrund des Heckmotors und der Lufteinlässe in der Motorhaube stark eingeschränkt.

Soweit ihm bekannt ist, befindet sich noch ein Exemplar dieses Typs im Louwman Museum in Den Haag, ein zweites ist stillgelegt – vermutlich ein Restaurierungsprojekt mit unbekanntem Besitzer. Es gab mindestens drei weitere, die jedoch in den letzten Jahren ins Ausland verkauft wurden. Über die Anzahl der in anderen Ländern noch im Einsatz befindlichen Tatra 87 liegen ihm keine Daten vor; insgesamt wurden 3056 Fahrzeuge produziert.

Aufmerksamkeit als Bonus

Wer kann schon von sich behaupten, einen museumsreifen Oldtimer zu fahren? Dann ist die Aufmerksamkeit, die das Auto erfährt, ein zusätzlicher Bonus.

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Tatra 87: mehr erfahren

Für diejenigen, die noch nicht alles über Tatra 87 gelesen haben: Dies sind logische Fortsetzungen.

Weitere Fotos folgen unten.

Tatra 87 (1947), ein museumsreifes Hobbyauto – Foto 2
Die Rückenflosse und der lange Schwanz machen sofort deutlich, wo die stromlinienförmige Gestalt ihre Geschichte erzählt.
Tatra 87 (1947), ein museumsreifes Hobbyauto – Foto 3
Große Instrumente und ein dünnes Lenkrad, ein Cockpit aus einer Zeit, als der Fortschritt noch greifbar schien.
Tatra 87 (1947), ein museumsreifes Hobbyauto – Foto 4
Unter der Haube verbirgt sich das eigensinnige technische Herzstück dieses unterschätzten Meisterwerks.

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7 Kommentare

  1. Es gibt einen Tatra T600 im Originalzustand, der noch unterwegs ist. Genau wie der T87 aus der Palmen-Sammlung mit originalem niederländischem Kennzeichen. Allerdings wurde dieser T87 nicht für unser Land erhalten, und der T600 ist nach vielen Jahren Stillstand wieder auf niederländischen Straßen unterwegs. Der zweite T87 in unserem Besitz befindet sich im Louwman Museum, und vor einigen Jahren wurde einer an einen englischen Sammler verkauft. Meines Wissens gibt es also zwei Tatra mit niederländischen Kennzeichen.

  2. Ich finde es besonders faszinierend, obwohl es mir optisch persönlich nicht so zusagen würde. Aber schon ein 160er mit 75 PS – das zeigt wirklich, wie clever die damaligen Überlegungen waren.

  3. Ist es bei diesem Tatra so, dass das Getriebe umgekehrt ist, sodass das Schaltschema genau umgekehrt ist als gewohnt? Ein wirklich großartiges Auto übrigens. In meiner Jugend gab es in Den Haag, in der Nähe meiner Schule, einen ähnlichen in Grau. Ein Schwarz-Weiß-Foto davon erschien sogar mal im AMK.

  4. Was für ein fantastisches Auto! Ich habe sie 1968 in der Tschechoslowakei gesehen, wo ich damals zu Besuch war. Wie würde sich so ein Tatra wohl fahren? Noch schlechter als ein Käfer, wegen des schweren Motors? Und wie fährt sich der mit diesen Pendelachsen? Ich bin mal als Beifahrer in einem Tatra 603 mitgefahren, und das war so ziemlich das Gegenteil von einem Citroën DS.
    Übrigens zahlte Volkswagen 1965 eine Million DM, um einen Rechtsstreit mit der Familie Ringhoffer beizulegen. Diese hatte VW bereits vor dem Krieg verklagt, doch die Deutschen unterbanden dies natürlich.
    Das Tatra-Museum in Koprivnice ist wirklich einen Besuch wert!

  5. Es ist beeindruckend, wie bahnbrechend dieses Auto damals war. Luftgekühlter V8-Motor, Aerodynamik, Zentralrohrrahmen – und das alles aus dieser Zeit. Da verstehe ich auch, warum jemand dafür andere Autos verkauft hat.

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