Zastava Yugo

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Ein vielversprechendes Fiasko

Zumindest sah es auf dem Papier so aus. Wo auch Giorgetto Giugiaro ein paar Zeilen angelegt hatte, um diesem Zastava Yugo einen angenehmen Geschmack zu verleihen. Das hilft trotz aller Vorurteile immer. Fragen Sie einfach Doutzen. Aber in diesem Fall hat es nicht gereicht.

Kein Fiat. Ich bin

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Das Design des Zastava Yugo sah ziemlich gut aus. Die Zeitschrift äußerte sich mäßig bis ziemlich positiv. Oder feststellte, dass der Neuankömmling zumindest „ein eigenes Gesicht“ hatte. Ungefähr das gleiche Phänomen, als würde man The Newborn Scare In The Cradle ein süßes Baby nennen. Wie dem auch sei, der Yugo war nicht nur ein leicht modifiziertes Fiat-Design, wie es Zastavas Formel bis dahin immer gewesen war. Die Basis stammte allerdings noch von den italienischen Autobauern, denn unter der Haut basierte der Zastava Yugo weitgehend auf dem beliebten Fiat 127. Die Technik dieses kleinen Fiat wurde übernommen, der Erfolg aber sicher nicht.

Nicht ohne probleme

Das hatte mehrere Gründe. Wo Fiat bereits stark mit Rost in Verbindung gebracht wurde, wurde der Zastava Yugo mehr oder weniger zur Identifikation damit. Die Selbstauflösungskraft dieses Jugoslawen war phänomenal und erschreckend zugleich. Es war jedoch möglich, die Lebensdauer dieses Budget-Balkaners um etwa eine Woche zu verlängern, indem man sofort eine Rostschutzbehandlung bestellte. Oder ein mattschwarzer Front- und Heckspoiler, Kunststoff-Radkappen, schnellere Streifen und eine reflektierende Platte zwischen den Rückleuchten, das war auch möglich. Dann stand die ultrasportliche S-Version am Bordstein. Aber nicht lange.

Der Titelhalter

Denn neben der Rostempfindlichkeit hatte dieser Supermini auch mit enormen Qualitätsproblemen zu kämpfen. Minderwertige Teile, schlecht zusammengebaut. Das ist in der Regel keine Erfolgsgarantie und das war auch nicht der Fall. Obwohl… Malcolm Bricklin, der erfolgreiche amerikanische Geschäftsmann, der unter anderem Subaru importierte, sah etwas in einem spottbilligen, geradlinigen Stadtauto für diesen riesigen Heimatmarkt und begann, diesen Yugo zu importieren, unter dessen Markenname das Auto dort berühmt wurde. Eigentlich berüchtigt. Knapp 1985 verkaufte er zwischen 1992 und 150.000. Und tragen Sie es tat. Neben der schlechten Qualität und Handhabung war auch die Teileversorgung schlecht organisiert und der Zastava Yugo eroberte damit den zweifelhaften Titel „Schlechtestes Auto der Welt“. Wenigstens war das Modell auf der Karte.

Auch in den Niederlanden

Ab 1983 importierte Lada-Guru Gremi in Groningen dieses preiswerte Modell in die Niederlande. Wenigstens war der Zastava Yugo billig; weniger als zehntausend Gulden für den Starter. Und dann stand ein sehr schön gefüttertes Auto vor der Tür, das relativ geräumig war und auch ganz vernünftig fuhr. Es war nicht sehr luxuriös, es musste von der Länge oder Breite her klar sein. Die Vordersitze mussten zufällig richtig sitzen, die Rückenlehnen waren nicht verstellbar. Oder sie mussten abbrechen. Das lag jedenfalls nicht daran, dass man ihn aufgrund von Leistungsüberschuss zu stark in diesen Sitz gedrückt hatte: Der bekannte Fiat-Einliter-Vierzylinder vorne brachte es im Yugo 45 auf 45 PS. Und zehn Stück mehr im Yugo 55, Sie ahnen es bereits. Später wurden auf einigen Auslandsmärkten noch stärkere 1.3-Liter-Versionen mit Leistungen von 60 oder 65 PS erhältlich. Hätte sich statt der Leistung die Qualität deutlich verbessert, hätte dieser sympathische Yugootje gute Erfolgsaussichten gehabt. Šteta.

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9 Kommentare

  1. Etwas fehlt in diesem Artikel noch, nämlich der Innocenti/Yugo Koral

    Die letzte Serie hieß Koral: gleicher Yugo, andere Stoßstangen, aber Einspritzung.

    Und dann gab es das Cabriolet. Sie können dies auch als Innocenti Koral bestellen.

  2. Jeder, der kürzlich auf dem Balkan war, kann mit eigenen Augen sehen, dass sie ziemlich lange halten werden. In allen ex-jugoslawischen Ländern (außer Kosovo, aus vielleicht verständlichen Gründen, dort sieht man verdächtig viele Golfjes II) gibt es noch ein paar (Montenegro/Nordmazedonien) oder weniger (Slowenien) an jeder Straßenecke und fahren sie sogar herum. Und oft in kosmetisch durchaus akzeptablem Zustand. Das wird wohl mit dem Erhaltungszustand, dem Erhaltungswillen oder vielleicht einem Anfall von "Jugostalgie" zu tun haben, die immer noch herumfahren. In Montenegro habe ich vor einigen Jahren sogar einen Zastava 600 (Fiat 600-Klon) in nahezu perfekt restauriertem Zustand gesehen.

  3. Der Yugo war ein würdiger Zeitgenosse des Hyundai Pony. Der letzte war von den Linien her gleich, etwas größer und wenn möglich noch stärker verrostet 😉
    In den USA war der Yugo ein Kultauto. Ich stelle mir vor, in den südlichen warmen Staaten war das Rostgespenst dort etwas fauler.
    45 PS, 55 PS: noch genug fürs Pendeln und Besorgungen?

  4. Was für ein wundervoller, geschmeidiger Stift Lars Bais hat! Erinnert mich an Johannes van Dam, der es in der Gastronomie geschafft hat, allerlei Aussetzer auf äußerst bösartige Weise bis auf den imaginären Boden zur Schau zu stellen. Glücklicherweise ist das Straßenbild nun von dieser rostliebenden Monstrosität befreit. Danke Giugaro!

  5. Der neugeborene Schreck in der Wiege, dachte, ich könnte nicht aufwachen. Gut zu hören
    so schreiben zu können und gleichzeitig mit ernster Miene auf so vielen Zehen
    zu treten. Ich glaube, Herr Bais hat Dolf manchmal über die Schulter geguckt.
    Ein paar Nachbarn haben sich in den Achtzigern so einen gekauft und waren irgendwie dabei
    zufrieden. Der chinesische Tsunami war noch nicht da und ziemlich billig,
    fast typische West-End-Autos verkauft, denn das Parken hier war damals und ist immer noch eine Katastrophe.
    Subaru Justy hat sich gut geschlagen. Nach einigen Jahren waren die Jugos komplett vom Straßenbild verschwunden, und das lag an Rost. Der Yugo wurde von einem verirrten Fiat-Händler im Ostende verkauft, und in Kingsway gab es einen Händler. Alfa Romeo und Yugo. Niemand, na ja, kaum jemand rümpfte darüber die Nase. Alfa war so unbekannt wie Yugo.
    Sie waren unter 5.000.00 $ neu. Beide sind fast vom Straßenbild verschwunden.
    schöner Artikel,
    Danke schön.

  6. Kaufte 1985 zu Hause einen brandneuen Yugo 55L als Zweitwagen. Tja, als wir uns 2 verabschiedeten, hatten wir nur etliche platte Reifen und einen schmollenden Anlasser, außerdem brachte uns unser Kanariengelb 1996 Jahre lang ohne Probleme überall hin. Und Rost???? Kein Rostfleck zu sehen. Und seit ich damit fahren gelernt habe, kann ich jetzt mit so ziemlich allem fahren ;)

    • Ich habe jahrelang an diesen Autos herumgebastelt und musste mir viele Reparaturlösungen einfallen lassen.
      Es war einfach billig und Leute, die es nicht zu breit hatten und ein paar Kilometer im Jahr fuhren, hatten ein schönes Einkaufsauto.

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