Der spezielle Ofen aus dem T-Ford meines Großvaters

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Automatische Konzepte

Vor dem Großen Brand betrieb mein Großvater eine Bäckerei in Zwolle. Mit angeschlossenem Laden. Brot, Kekse, Stammkunden und ein Lastenrad, das gefühlt jeden Tag schwerer wurde. Es war 1934, die Geschäfte liefen prächtig, und das bedeutete nur eins: noch härter in die Pedale treten. Während meine Großmutter im Laden alle Hände voll zu tun hatte, schleppte Opa tagsüber wie verrückt Waren herum und knetete abends wieder Teig. Das war einfach zu viel für jeden. Irgendetwas musste sich ändern.

Von: Jan van 't Spijker

Die Lösung kam in Form eines Ford Modell T Lieferwagens. Kein neues Modell, sondern einer aus den frühen 1920er-Jahren. Alt, aber robust. Und vor allem … schneller als ein Lastenrad. Tausende von Ford Modell T fuhren damals noch in den Niederlanden herum, viele hatten schon mehrmals den Besitzer gewechselt. Der Modell T war einfach, zuverlässig und günstig im Unterhalt. Genau das, was ein hart arbeitender Bäcker brauchte.

Zuerst musste Opa einen Führerschein machen. Das war nicht viel. Vier Gulden, eine kurze Fahrprüfung und die Theorieprüfung – das konnte später passieren … oder auch nie. Mit dem Führerschein in der Hand begann sein neues Leben. Kein Treten mehr, nur noch Kurbeln. Luxus pur. Er nahm die neidischen Blicke der anderen Bäcker auf ihren Lastenrädern gelassen hin.

Doch dann kam der Winter. Und Winter waren damals noch richtig Winter. Schnee, Frost, wochenlanges Eis. Und das stellte plötzlich ein Problem dar. Der Ford war wassergekühlt. Kühlmittel, wie wir es heute kennen, gab es noch nicht. Nur reines Wasser. Und Wasser gefriert.

Die Lösung für viele Autofahrer war gleichermaßen einfach wie umständlich: Nach jeder Fahrt das Kühlmittel ablassen und am nächsten Tag, vorzugsweise mit warmem Wasser, wieder auffüllen. Dabei handelte es sich nicht nur um wenige Liter. Je nach Modell fasste ein Ford Model T zwischen 15 und über 20 Liter Wasser. Viele Fahrzeuge aus dieser Zeit besaßen keine Wasserpumpe, sondern eine Thermosiphonkühlung. Warmes Wasser steigt auf, kaltes sinkt ab. Solange alles flüssig bleibt, funktioniert das einwandfrei.

Nach einer Weile hat Opa keine Lust mehr, jeden Tag Eimer herumzuschleppen. Man kann zwar auch Alkohol dazugeben, aber der verdunstet wegen seines niedrigen Siedepunkts schnell und ist wegen der Verbrauchssteuer außerdem teuer. Jeden Morgen am Heizkörper zu riechen, ob noch genug Alkohol da ist … das ist doch auch kein Leben.

Und dann, plötzlich, eine Werbung. Ein deutsches Gerät mit einem stolzen Slogan: Die Sonne im WinterDer Name: KatalysatorEine kleine Heizung, speziell für die Platzierung unter dem Motor konzipiert. Keine Flammen, kein Rauch, nur Wärme, die durch einen katalytischen Prozess erzeugt wird. Benzin oder Petroleum in einem kleinen Tank, inklusive Bedienungsanleitung mit typisch deutschem Humor. Gebrauchsanweisung beachten, sonst gibt es Ärger!

Es ist ein cleveres Gerät. Die katalytische Verbrennung erzeugt keine offene Flamme, aber dennoch Wärme. Bis zu 500 Grad Celsius im Inneren. Genug, um Motor und Kühlwasser frostfrei zu halten. Und das bis zu zwölf Stunden lang. Solche Heizungen waren in den 1920er- und 1930er-Jahren weit verbreitet. Sie wurden in Autos, Traktoren und sogar Flugzeugen eingesetzt, insbesondere in Mittel- und Nordeuropa.

Opas Ford hat den Winter unbeschadet überstanden. Keine gerissenen Motorblöcke, keine eingefrorenen Kühler. Problem gelöst.

Und das Tolle ist … dieser kleine Ofen existiert noch. Beim Aufräumen meiner Werkstatt stieß ich wieder darauf. Opas Ofen. Mit Patina, mit Geschichten. So ein Gegenstand, der mehr erzählt als tausend Bilder. Ich glaube, ich werde ihn doch restaurieren.

Übrigens konnte Opa seinen Ford nicht lange genießen. Als er gerade eine Bestellung an einen Großkunden auslieferte, meinte ein vorbeifahrender Lkw-Fahrer, der Ford Model T stünde im Weg. Er stieg ein, ohne zu fragen. Keine gute Idee. Die Bedienung eines Model T erfordert etwas Übung. Linkes Pedal für Kupplung und Gangschaltung, mittleres Pedal für den Rückwärtsgang, rechts die Bremse. Gaspedal mit einem Hebel am Lenkrad. Das ging nicht gut aus.

Der Ford fuhr direkt durch die Haustür des Kunden. Die Brötchen waren angeblich etwas zu braun. Das Ende des Ford Modell T.

Opa war wieder mit dem Lastenrad unterwegs. Bis 1961. Dann kam ein anderes Auto. Ein brandneuer DAF 600. Aber das … das ist eine ganz andere Geschichte.

(Weitere Fotos unten.)

Der spezielle Ofen aus dem T-Ford meines Großvaters
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3 Kommentare

  1. Das waren noch Zeiten. Das war lange vor der Ära, als Autos für (fast) jeden leicht zugänglich waren.
    Man könnte es fahren. Schau dir nur den Lkw-Fahrer an. Ich glaube, wir leben jetzt in einer Zeit, in der alles vollautomatisch sein sollte, und ich bin froh, die Entwicklungsphase von den 60er- bis zu den 90er-Jahren miterlebt und genossen zu haben. Das echte Fahrgefühl, das meine Generation so sehr genossen hat, wird dank Fahrerassistenzsystemen, Elektrifizierung und all dem anderen, was uns den Fahrspaß rauben wird, nicht wiederkommen – und sicherer wird es dadurch auch nicht. Abschließend: Hut ab vor Opa, er muss ein echter Autoenthusiast gewesen sein!

  2. Was für eine wunderbare Geschichte! Die Menschen haben damals so hart gearbeitet. Dieser kleine Ofen war eine großartige Lösung, und es ist toll, dass Sie ihn noch haben.

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