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Mercedes-Benz 300d (W189): Der Adenauer aus Twenter Boden
Fahren auf höchstem Niveau. Das ist keine leere Phrase, wenn man hinter dem riesigen Steuer eines Mercedes-Benz 300d (W189) sitzt. Wir tauchen ein in die Geschichte eines grauen Adenauer von 1959, der John Blokhuis aus Twente gehört. Ein Mann, der nicht unbedingt ein Mercedes-Fan ist, aber dem ultimativen Nachkriegs-Statussymbol aus Stuttgart verfallen ist.
Fotos: Max de Krijger für Auto Motor Klassiek
Der Mercedes-Benz 300d (W189) war die letzte und ausgereifteste Weiterentwicklung der sogenannten „großen Dreihunderter“, intern als W186 und W189 bezeichnet. Der 300d feierte 1957 Premiere und wurde bis 1962 produziert. Insgesamt wurden 3077 Exemplare gebaut. Das machte ihn damals exklusiv und ist auch heute noch selten. Er war kein Auto für die Mittelklasse, sondern ein rollendes Statement von Macht.
Der Mercedes-Benz 300d war das Topmodell der Baureihe W189.
Unter der langen Motorhaube verbirgt sich der 2996 cm³ große Sechszylinder-Motor M189 mit mechanischer Bosch-Benzineinspritzung. Keine Vergaser mehr, sondern Direkteinspritzung, wie sie Mercedes im 300 SL verwendete. Er leistet 160 PS bei 5300 U/min. Beeindruckend für die späten 1950er-Jahre, obwohl diese Kraft immerhin 1780 kg bewegen muss. Zwei Tonnen, wie Besitzer oft sagen. Das Ergebnis ist kein Rennwagen, sondern eine laufruhige, fast geräuschlose Kraftquelle, die ihre Arbeit mit Würde verrichtet.
Der 300d unterschied sich von seinen Vorgängermodellen durch die serienmäßige Servolenkung und die verbesserten Bremsen. Er verfügte über Einzelradaufhängung rundum und eine tiefliegende Pendelachse hinten. Dies sorgte für einen Fahrkomfort, der zu seiner Zeit als unübertroffen galt. Eine Höchstgeschwindigkeit von rund 165 km/h war möglich, wobei sich 120 km/h in einer so dynamischen Limousine durchaus schnell anfühlten.
Die meisten 300d waren mit einem Viergang-Automatikgetriebe ausgestattet, doch der Wagen aus Twente hat ein Viergang-Schaltgetriebe. Das macht ihn zu etwas ganz Besonderem. Die Gangwechsel sind lang und sanft. Keine Hektik, kein Stress. Hier wird Autofahren zum Erlebnis.
Adenauer und die Staatsmacht
Der Spitzname Adenauer ist kein Zufall, sondern ein historischer Bezug. Bundeskanzler Konrad Adenauer wurde während des Wiederaufbaus der Bundesrepublik Deutschland in einem 300er transportiert. Er besaß mehrere, darunter auch verlängerte Pullman-Modelle. So wurde das Auto zum Symbol politischer Macht und wirtschaftlichen Aufschwungs. Minister, Botschafter und Industrielle wählten dasselbe Verkehrsmittel.
Der Mercedes-Benz 300d (W189) war als Limousine, Cabriolet D und Landaulet erhältlich. Letzteres, insbesondere mit seinem für offizielle Anlässe versenkbaren Verdeck, unterstrich seinen repräsentativen Charakter. Alles an diesem Wagen strahlt Erhabenheit aus. Von den edlen Holzarbeiten bis zu den Leseleuchten im Fond. Von den komfortablen Sitzen bis zum flüsterleisen Motor.
Wiederherstellung ohne Sicherheitsnetz
Dass John Blokhuis sich eines so heruntergekommenen Exemplars annahm, spricht Bände über seinen Charakter. Der Wagen wurde einst als Wrack in Bad Bentheim angeboten. „Wer so etwas kauft, muss verrückt sein“, sagte man ihm. Vielleicht waren sie es ja auch. Aber er erkannte sein Potenzial.
Die Restaurierung dauerte Jahre und verschlang ein Vermögen. Überdimensionierte Kolben, originale Zierteile, ein Stern auf der Motorhaube für damals 100 DM. Ein Spenderfahrzeug half, die beiden Wracks zu einem stimmigen Ganzen zu vereinen. Die Motorüberholung wurde extern vergeben, und die Holzarbeiten übernahm ein befreundeter Handwerker. Das Ergebnis ist kein überrestauriertes Showcar, sondern ein fachmännisch wiederaufgebauter 300d mit viel Liebe zum Detail. Selbst die Reifen haben das korrekte Diagonalprofil, obwohl es sich um moderne Radialreifen für besseres Fahrverhalten handelt.
Er fährt damit maximal tausend Kilometer im Jahr. Nie schneller als 80 km/h, obwohl es technisch doppelt so schnell wäre. Denn Geschwindigkeit ist zweitrangig. Es geht um das Erlebnis. Das Gefühl, in einer Zeitkapsel zu sein, in der Handwerkskunst wichtiger war als Produktionsgeschwindigkeit.
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Klassisch und doch modern, wunderschön!