Nat… – Kolumne

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Automatische Konzepte

Ich schaue nach draußen. Es regnet. Schon seit einer Weile. Mein Motorrad, mit dem ich früher Zigarren gekauft habe, steht im Regen, weil die anderen, die ich lieber fahre, in der Garage stehen. Früher... Je älter man wird, desto öfter erlebt man das. Aber egal, früher. Bis vor ein paar Jahren bin ich bei jeder Jahreszeit gefahren. Die letzten Jahre waren nicht unangenehm. Denn selbst die gar nicht so teure, moderne Motorradkleidung ist unbeschreiblich besser als das, womit man sich vor 40-50 Jahren begnügen musste. Wenn man bedenkt, wie sehr sich die Motorradkleidung in 50 Jahren weiterentwickelt hat! Wenn man bedenkt, wie nass man damals wurde und wie nass man heute bei einem heftigen Regenguss wird!

Wasser- und Winddichtigkeit waren einst die Markenzeichen der berühmten gelben PVC-Regenmäntel und -hosen. Diese Südwester-Kleidung trugen Schulkinder und Radfahrer mit Gepäckträger. Die PVC-Kleidung musste möglichst weit geschnitten sein, um darunter mehrere Stoffschichten tragen zu können. Motorradfahrer trugen gestrickte Wollunterwäsche zur Wärmeisolation, oft über einer Pyjamahose und natürlich der normalen Hose. Ein ähnliches Schichtsystem wurde auch oberhalb der Gürtellinie angewendet. Unter dem leuchtend gelben PVC-Stoff trug man zur zusätzlichen Wärmeisolierung eine Zeitung auf der Brust, vorzugsweise die Samstagsausgabe des Telegraaf.  

Ein Wollschal war um Hals und Gesicht gewickelt. Die Handschuhspitzen waren dick eingefettet, um das Eindringen von Regen zu verhindern. Dasselbe galt für die Stiefel. Die Wasserdichtigkeit dieser flatternden Kleidung? Sie war begrenzt. Es drang Wasser ein. Am Hals spürte man die ersten Tropfen, die durch die Rüstung drangen. Diese Tropfen verwandelten sich in ein Rinnsal langsam wärmenden Wassers. Zwischen den Gesäßbacken bildete sich ein kleines Reservoir. Von dort lief es links und rechts durch den Schritt. Inzwischen hatten auch Handschuhe und Stiefel das Prinzip von „Luctor et Emergo“ außer Kraft gesetzt. Die Hände wurden nass und kalt. Die Stiefel füllten sich langsam mit Wasser. Dieses Wasser erwärmte sich allmählich. Aber das lag daran, dass die Füße immer kälter wurden. Inzwischen fuhr man schon eine ganze Weile blindlings mit einem beschlagenen und tropfenden Visier. Die Zeitung war meist schon zu Pappmaché geworden. Und dann blieben einem nur noch etwa zwanzig Minuten bis zum Ziel. Nach dem Ausziehen lag ein ganzer Haufen völlig durchnässter Kleidung in der Garage, im Schuppen oder im Flur, wie eine verlassene Insel inmitten des Wassers, das bereits ausgetreten und getropft war.

Der Körper gewöhnt sich daran. Er erholt sich. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Sollte ich jemals wieder nass und kalt werden – sei es versehentlich oder durch einen Unfall –, gerät mein ganzer Organismus in eine Art schmerzhaften, rheumatischen Zustand, wie man ihn von einem lebendig gekochten Hummer kennt. Der Körper vergisst nichts. Und damit muss man einfach leben.

Draußen ist es immer noch kalt und nass. In der Garage ist es aber trocken. Und sobald ich die Werkzeuge mit der Heizung etwas aufgewärmt habe, werde ich das Motorrad definitiv für den Frühling fit machen.

Nach all den Wintern auf dem Motorrad habe ich eines gelernt: Der Frühling kommt immer!

Nat...
Nat...

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11 Kommentare

  1. Als ich noch viel jünger, schlanker und hübscher war, fuhr ich einmal mit einem befreundeten Kollegen von einem Elefantentreff in der Eifel zurück.
    Ich auf meiner CB350F, er auf einer Suus GS550.
    Es regnete... nein, das ist nicht normal, aber wir mussten weitermachen, weil der Chef uns am nächsten Tag wieder erwartete.
    Er musste meinen Honda beim Tanken laufen lassen, weil es da schon überall Funken sprühte und die Verschlüsse bereits durchgebrannt waren.
    Erst ab 4000 U/min lief der Motor mit vier Zylindern noch recht sauber.
    Das war echt anstrengend! Zuhause habe ich eine Stunde unter der Dusche verbracht, nur um mich wieder aufzuwärmen…
    Und da schwor ich mir, NIE wieder im Regen zu reiten.
    Aber ja, natürlich werden Sie manchmal von den Spritzern „überrascht“.
    Ein Nieselregen ist machbar, aber ein Wolkenbruch?
    Dann suche ich mir den erstbesten Unterschlupf: ein Café, eine Schutzhütte oder eine Fußgängerbrücke... das ist mir egal.
    Nein, ich bin nicht aus Zucker gemacht... aber seit der Rückfahrt im strömenden Regen bin ich auch nicht mehr aus Stein.

    • Selbst wenn es heißes Wasser regnen würde: Igitt! Aber jetzt ist es großartig! Ich hole mir nur schnell ein paar Zigarren im Mash und fahre dann über Steenderen, Bronkhorst und Brummen zurück.

    • Wenn Sie an der alten Schule in Rha vorbeifahren, winken Sie ruhig; dort wohnt eine Familie...
      Eine wunderschöne Umgebung.

      • Hallo XDolf.

        Wie immer genieße ich die Fahrer wieder sehr, und vor allem eure Geschichten.

        Ich habe immer noch eine umfangreiche Geschichte herumliegen, die ich einst für Motorradclubs geschrieben habe; die Geschichten handeln von den Reisen, die ich früher unternommen habe, und im Mittelpunkt steht eine BMW /R 60-2. Also, die 60er Jahre.
        Wenn es interessant ist, schicke ich es Ihnen. Geben Sie mir einfach die E-Mail-Adresse an, an die es gesendet werden soll.
        Aufrichtig
        Gerrit Mannebeek

  2. Das Gegenteil kann auch der Fall sein….
    Ich war einmal kurz davor, nach einem anstrengenden Arbeitstag an meinem Schreibtisch Feierabend zu machen…
    Ende August; um die 27 °C und ein dunkles Gewitter zieht auf. Lederhose und -jacke... Regenschutz anziehen oder nicht?

    Ich tat es trotzdem. Zehn Kilometer weiter hatte das Gewitter die Richtung gewechselt, und ich stand bei 27°C in Lederanzug und Regenanzug an einer Ampel!

    Als ich nach Hause kam, habe ich schnell meine Stiefel entleert und die verlorene Flüssigkeit durch einen Liter schäumende Flüssigkeit ersetzt. Was für eine irre Fahrt!

  3. Wieder eine wundervolle Geschichte, Dolf! Und so nachvollziehbar!

    Ich fahre schon seit Jahren Motorrad. Ob Regen oder Sonnenschein, Wind, Regen, Gewitter, Frost oder sogar Eis – dieser Typ hat mit meiner treuen Blauwtje durchgehalten. Ich hatte (und habe immer noch) diesen Lederkombi mit der schweren Lederjacke. Diesen Anzug habe ich akribisch eingefettet und geölt. Ein bisschen Regen hat mich überhaupt nicht gestört. Starkregen hingegen war ein Problem. Das Wasser, das vom Tank auf den Sitz spritzte, und alles andere, was sowieso von oben dort landete, sammelte sich zwischen meinen Beinen und durchnässte schließlich durch den Winddruck meine Kronjuwelen in einer unwiderstehlichen „Erfrischung“. Die Hosenbeine ließen sich auch über die Stiefel ziehen, was SEHR praktisch war. Meine anderen Motorradhosen passen nur in die Stiefel. Eine Rolle breites braunes Packband habe ich bei drohendem Unwetter immer dabei, und damit klebe ich bei Bedarf den Übergang von der Hose zu den Stiefeln ab. Funktioniert einwandfrei!

    Anfangs hatte ich keine Heizgriffe. Die fast 40 Kilometer lange Fahrt zum Chef bei -12 Grad Celsius war eine Tortur. Als ich endlich ankam, hatte ich die Situation gerade so im Griff. Zwanzig Minuten lang konnte ich die Fragen meiner Kollegen nicht beantworten, die mich morgens immer damit bombardierten, weil mein Sprachcomputer eingefroren war. Meine Hände waren taub, bis sie wieder warm wurden. Dieses Gefühl, echt ätzend! 😬😖

    Es war wirklich furchtbar, als es tagelang ununterbrochen regnete und ich meine Kleidung weder nach meiner Heimkehr noch am nächsten Morgen richtig trocknen konnte, und auch nicht nach meiner Ankunft auf der Arbeit bis zur Heimfahrt. Das war ausgesprochen unangenehm.
    Aldi hatte mal einen einteiligen Regenschutzanzug im Angebot. Er ist zwar etwas schwierig anzuziehen, aber einfach fantastisch. Das passierte auf der Fahrt nach Jan Beck in Wijhe, als es in Strömen regnete. Mit 130 km/h auf der Autobahn durch den Wolkenbruch – aber der Regenschutzanzug hielt stand.
    Ich kann die isolierende Wirkung von Zeitungspapier bestätigen. Zerknülltes Zeitungspapier wirkte sogar noch besser. Manchmal gab es im Büro auch Luftpolsterfolie... die wirkte noch besser... 👍🏼👍🏼

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