Der praktischste Klassiker: Renault Alpine A310 laut Mick Santifort

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Einsendeschluss für die Juni-Ausgabe -> 21. April

Automatische Konzepte

Renault Alpine A310. Spricht man diesen Namen aus, hört man sofort das Gekicher selbsternannter Experten. Französische Ingenieurskunst? Wahrscheinlich unzuverlässig. PRV-Motor? Eine Katastrophe. Alltagstauglichkeit? Ach was! Mick Santifort hört das schon seit Jahren und wischt es mit sichtlicher Freude beiseite. Er fährt seinen A310, als wäre es das Normalste der Welt; jeden Tag, mit seiner Familie und allem Drum und Dran.

Text und Fotos: Aart van der Haagen

2016 tat er etwas, was sein Umfeld nicht so recht nachvollziehen konnte. Er tauschte seinen Porsche 996 gegen einen Renault Alpine A310 der vorherigen Generation ein. „Alle haben mich ausgelacht“, sagt er. Trotzdem fiel ihm die Entscheidung leicht. Der Alpine war einfach zu cool, um ihn sich entgehen zu lassen. Eine richtige Probefahrt war kaum möglich.

Es handelte sich zudem nicht um irgendein Exemplar. Santifort erwarb den allerletzten in den Niederlanden zugelassenen Renault Alpine A310, während dessen Nachfolger – der GTA – bereits im Ausstellungsraum stand. Renault Niederlande importierte den Wagen über die Schweiz für den Direktor von Vrij Uit Reizen, der auf dem nicht mehr produzierten Modell bestanden hatte. Ein wunderschönes Stück niederländischer Alpine-Geschichte.

Zuverlässigkeit des Renault Alpine A310

Wenn man den Renault Alpine A310 erwähnt, denkt man sofort an den PRV-Motor. In der V6-Version handelt es sich um den 2664 cm³ großen V6, der von Peugeot, Renault und Volvo gemeinsam entwickelt wurde. Im A310 V6 leistete er ursprünglich 150 PS; nach der Modellpflege 1981 stieg die Leistung dank Änderungen an Vergaser und Zündung sowie weiterer Optimierungen auf 160 PS. Der Motor wurde auch in schwereren Fahrzeugen wie dem Peugeot 604 und dem Volvo 264 verbaut, wo Laufleistungen von 400.000 bis 500.000 Meilen keine Seltenheit waren.

Santifort: „Viele beschweren sich über den PRV, aber das ist lächerlich. Wenn man eine gute Basis schafft, sind die Wartungskosten wirklich überschaubar. Ich bin in weniger als zehn Jahren 50.000 Kilometer gefahren und habe nichts Außergewöhnliches erlebt. Er kostet mich etwa ein Drittel dessen, was ich für meinen Porsche ausgegeben habe.“

Dieser alltagstaugliche Charakter ist von Vorteil. Kein exotischer, hochtouriger Motor, sondern solide, vergleichsweise einfache Technik. Der Renault Alpine A310 beweist hier, dass Image und Realität zwei verschiedene Welten sein können.

Deutlich besseres Chassis

Bei seiner Markteinführung 1976 verfügte der Alpine A310 V6 über eine völlig andere Hinterradaufhängung als die Vierzylinderversion. Einzelradaufhängung rundum mit Doppelquerlenkern und Schraubenfedern – ein himmelweiter Unterschied zur vorherigen Drehstabfederung. Das Ergebnis war ein deutlich neutraleres Fahrverhalten.

Santifort kann das vergleichen. Er ist schon mehrere Porsche gefahren, darunter einen 911 Carrera 3.2. „Ja, er lenkt vielleicht etwas präziser und ist oberhalb von 200 km/h stabiler. Im A310 wird es dann etwas aufregender. Aber auf kurvenreichen Strecken überrascht der Porsche eher mit Lastwechsel-Übersteuern. Mit meinem Alpine, einem Phase II nach dem Facelift von 1981, ist mir das noch nie passiert.“

Diese zweite Phase ist relevant. 1981 erhielt der Renault Alpine A310 V6 ein umfassendes technisches Update, darunter eine verbesserte Fahrwerksabstimmung und Detailänderungen, die die Stabilität bei höheren Geschwindigkeiten erhöhten. Santifort montierte außerdem neue Michelin TRX-Reifen, die damals zur Serienausstattung gehörten. Teuer, aber entscheidend für seinen Charakter.

Praktischer Klassiker mit Charakter

Und dann ist da noch der Vorwurf, der Renault Alpine A310 sei unpraktisch. Zwei Sitze vorne, zwei kleine Rücksitze, niedriger Einstieg und ein kompakter Kofferraum vorne. Auf dem Papier nicht gerade ein Familienauto.

In der Praxis sieht es anders aus. „Einkäufe? Einfach auf den Rücksitz. Mit der Familie und dem Hund an den Strand? Kein Problem. Ich kann Ihnen Fotos zeigen, auf denen drei Teenager-Mädchen mitfahren.“ Santifort ist fast 1,90 Meter groß und sagt, sie habe sich in der niedrigen Kabine nie eingeengt gefühlt.

Auf der Autobahn verhält sich der Renault Alpine A310 typisch französisch: komfortabel gefedert, relativ leise, mit einem V6-Motor, der vor allem auf Drehmoment setzt. Auf schmalen Schotterpisten verwandelt er sich laut Santifort in einen kleinen Rallyewagen. Man muss sich erst daran gewöhnen, aber dann kann das Tempo überraschend hoch sein, besonders auf trockenem Asphalt.

Genau dieser Kontrast macht den A310 so faszinierend. Eine Kunststoffkarosserie auf einem Stahlrohrrahmen, ein robuster PRV-V6-Motor im Heck, Einzelradaufhängung rundum und ein Gewicht von knapp über 1000 Kilogramm. Kein reinrassiger Supersportwagen, kein zahmer GT, sondern etwas dazwischen.

Als ein Autojournalist auf Facebook fragte, welches der praktischste Oldtimer sei, fielen die üblichen Namen: Volvo Amazon, Mercedes W123; solche Modelle. Santifort antwortete trocken: Renault Alpine A310. Und ehrlich gesagt, nach seiner Geschichte klingt das plötzlich gar nicht mehr so ​​abwegig.

(Weitere Fotos finden Sie weiter unten.)

Der praktischste Klassiker: Renault Alpine A310 laut Mick Santifort
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6 Kommentare

  1. Lieber René, ich meinte es zynisch und erklärte dann: Mercedes und Peugeot produzieren seit 18 so viele Diesel. Aber leider sind die „modernen, umweltfreundlichen“ nicht mehr so ​​gut wie früher, mit dieser Ausnahme:
    Der 220-250 CDI. Schau dir nur mal den Kilometerzähler eines Taxis mit dem gleichen Motor an, egal ob in Griechenland, Spanien oder sonst wo – ich habe schon welche mit 5, 6, sogar 9 Tonnen gesehen. Und in Schweden zum Beispiel gibt es einen Volvo (als sie noch Volvos waren!), einen Amazon mit 1,1 oder 1,2 Millionen Kilometern und einem nicht überholten Benzinmotor. Wie ich schon sagte: Sowohl Motorräder als auch Autos der letzten Jahre: Nimm einen Toyota! Na, toll, oder?

    • Ein cooler A310, Erstzulassung März 1985. Ich wusste kaum etwas über die ersten Vierzylinder aus dem 16. und 17. Jahrhundert, bis ich ein Poster an der Wand eines Schulfreundes entdeckte. Sechs Scheinwerfer, wohlgemerkt. Das Facelift von 1976 wurde von Robert Opron entworfen, der auch den Fuego und den 25 für die Regie kreierte. Ich erinnere mich noch gut an die vielen Alpines, die Ende der 1980er-Jahre während eines Urlaubs an der Côte d’Azur überall auf und um die Route Napoléon herum auftauchten. Überholen in einer unübersichtlichen Kurve, bergauf oder kurz vor einer Verkehrsinsel? Kein Problem. 150 km/h bei knapp 100.000 km/h Leerlauf sind immer noch mehr als genug, und 220 km/h scheinen mit dieser Heckklappe eine echte Herausforderung zu sein.

  2. Immer dieses Gejammer über die Deutschen! Zufälligerweise verkauft Renault gerade die meisten Autos. Außerdem ist der 996 der hässlichste aller 911er (nur der allererste ist schön). Und die Deutschen können sich ihre Arroganz sonstwohin stecken, denn a) die schönen Autos werden von ausländischen Designern entworfen, b) die gerissenen chinesischen Spione werden sie zerstören, c) ich fahre einen Mercedes, aber den 250 mit dem 220 CDI, der über eine Million Kilometer schafft. Außerdem trauen sich die Franzosen mehr und sind nicht konservativ (zumindest was das Design angeht). Schau dir nur mal an… Citroën !
    Und was für eine wunderschöne Kanone! Genau wie die allererste Alpine@Alpine. Viel Spaß damit!

    • Immer dieses Gejammer darüber, Deutscher zu sein? Und dann schreibst du, dass du einen Mercedes brauchst, um eine Million Kilometer zu fahren. Soweit ich weiß, kommt ein Mercedes tatsächlich aus Deutschland.
      Ich besaß fast 28 Jahre lang einen Porsche 911 Carrera 4 (964), und nur wenige Sportwagen, insbesondere französische, können mit seiner Qualität mithalten. Nichtsdestotrotz bauen auch die Franzosen fantastische Autos, und der Alpine A310 gehört zweifellos dazu.

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