Glas 1700 und 1700 TS. Das schöne Asset aus Dingolfing blieb exklusiv

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Die Hans Glas GmbH aus Dingolfing war in den 1700er Jahren mit dem berühmten Motorroller, dem Goggomobil und einem der kleinsten Transporter der Geschichte aufgewachsen: dem TL. Das europäische Festland erhob sich aus der Asche des Zweiten Weltkriegs. Die Bürger waren wieder finanziell dick auf den Knochen und die Autohersteller reagierten darauf. Die Massenmotorisierung war in vollem Gange. Für Hans Glas ein Grund, in die Welt der größeren Autos einzusteigen. Die Ambitionen in Niederbayern ruhten nicht aus der Luft, was unter anderem zur Ankunft der Glas XNUMX führte.

Sportliche Luxus-Mittelklasse-Limousinen waren in den sechziger Jahren mehr als ein Modephänomen. Sie verkörperten die demografischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Zeit. BMW kam immer mehr über Jan hinaus und zeigte die Neue Klasse. Alfa Romeo brachte 1962 ein Juwel von einem Nachfolger der Giulietta. Die Giulia sollte die Basis für die vielleicht schönste Nachkriegszeit bilden Alfa Romeo-Ära. Limousinen, Bertones und Berlinas aus der Baureihe Tipo 105/115 sprachen viele Enthusiasten an. Ganz oben auf der Liste standen die Italiener. Der extravagante Lancia kam mit dem Flavia und dem Fulvia heraus. Und wo der Bremer Borgward fragwürdig die Segel senkte, sah die Hans Glas GmbH eine Chance, die modelltechnische Aufwärtslinie zu nehmen.

Glas-Aufbruch mit 1300 GT und neuem Mittelklassewagen in Frankfurt

1963, während der IAA in Frankfurt, sahen Presse und Öffentlichkeit ein wunderschönes Coupé (den 1300 GT) und eine sehr schöne Limousine von Pietro Frua. Das Luxusgut der Mittelklasse aus Dingolfing war die Glas 1500, die als solche nie in Serie ging. Ein Jahr nach ihrer Vorstellung in Frankfurt debütierte die neue Limousine als 1700, also mit einem größeren Motor als ursprünglich geplant. Auf der Geraden trat er vor allem gegen die Münchner Nachbarn BMW 1600 und 1800 an. Darüber hinaus entwickelte Glas auch eine TS-Version auf Basis des 1700. Beide elastischen 1700er Motoren hatten die obenliegende Nockenwelle, die von einem Zahnriemen angetrieben wurde. Außerdem lagen die Stromquellen genau zwischen der Reichweite der Nachbarn.

Starke und moderne Motoren

Der reguläre 1700 schaffte es zunächst mit achtzig DIN-PS. Die Techniker in Dingolfing passten diese Zahl später durch einige Anpassungen auf 85 DIN-PS an. Die magische 100-PS-Grenze galt für den 1700 TS, der den gleichen Motor wie die Basisversion hatte. Der Unterschied bestand darin, dass der TS zwei horizontale Solex 40 RH Vergaser hatte, die Basisversion hatte einen Solex 34 PDSIT Fallstromvergaser mit automatischem Choke. Bemerkenswert: Der schnelle 1700 TS hatte noch einen manuellen Choke. Der TS war für seine Zeit ein sehr schnelles Auto. Eine Spitze von 170 Stundenkilometern waren möglich. Auch die Basisversionen waren für ihre Zeit schnell, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 155 Stundenkilometern.

Glaspioniere Viergang-Automatikgetriebe

Die Hans Glas GmbH verfolgte einen fortschrittlichen Ansatz. Die Standardversion des Glas 1700 war das erste Auto, das mit einem Viergang-Automatikgetriebe geliefert werden konnte. Die Maschine wurde von Glas Dickomat genannt (nach einem der Schöpfer, Heinrich Dick). Es wurde auch im eigenen Dingolfinger-Haus entwickelt. Das Getriebe war elektrohydraulisch. Der Fahrer schaltete das Automatikgetriebe mit einem Hebel am Lenkrad ein. Der Bodenhebel schaltete im H-Muster durch die Gänge, ohne dass eine menschliche Hand beteiligt war. Geregelt wurden die Gangwechsel durch ein ausgeklügeltes elektronisches BOSCH-System, das bei jeder Fahrt kontinuierlich Daten sammelte. Übrigens könnte der Fahrer bei einem Ausfall der Elektronik beispielsweise auch das Getriebe manuell betätigen. Fortschrittlich war nicht nur der Automat von Glas. Auch die Viergang-Schaltgetriebe mit ihrer Porsche-Synchronisation waren erstklassig.

Selbsttragende Karosserie, Bremskraftverstärker

Für seine Zeit war der Glas 1700 aus kosmetischer Sicht sicherlich ein modernes Auto. Natürlich hatte es eine selbsttragende Stahlkarosserie, deren Boden später verstärkt wurde. Die Vorderräder wurden einzeln aufgehängt. Die Hinterradaufhängung war konventionell mit Starrachse und Blattfedern. Auch ein Panhardstab wurde verbaut. Auffällig war auch, dass Glas ein 6V-Bordnetz verbaut hat. Die Vorderräder wurden durch Scheibenbremsen abgebremst, hinten wurden Glastrommelbremsen montiert. Das Bremssystem wurde nicht getrennt, aber mit Strom versorgt.

Positive Presse

Die Pressestimmen waren positiv. Gelobt wurden Themen wie Verarbeitung und Materialeinsatz. So wurden die Möbel beispielsweise mit einer Kombination aus Helio Antico Kunstleder und Webstoff bezogen. Außerdem fielen Dinge wie die Körpersteifigkeit auf. Glas hat dies durch die Verwendung von stabilem Stahlblech realisiert. Auch die Handhabung wurde gelobt. Das Glas 1700 war kaum zu rütteln und der Feder- und Dämpfungskomfort wurde ebenso gelobt wie der individualistische Charakter. Die Kehrseite des Ruhms war der starke Konsum. Der Glas 1700 und der 1700 TS waren ordentliche Trinker mit einem Durchschnittsverbrauch von 11 bzw. 13 Litern Benzin auf 100 gefahrenen Kilometern.

Sehr starke Konkurrenz aus der etablierten Ordnung

Der Glas 1700 und der 1700 TS wurden nicht leicht verkauft. Im Vergleich zur Volumenkonkurrenz waren die Preise hart. Die Glas-Limousinen waren jedoch preisgünstiger als die Konkurrenten von BMW. Alfa Romeo und Lancia. Aber diese Hersteller profitierten von einem stärkeren Klassenimage. Außerdem galt Glas noch immer als Hersteller von kleinen (kleineren) Kraftfahrzeugen. Darüber hinaus boten die (hauptsächlich) europäischen Volumenhersteller (z. B. Opel, Ford, Peugeot, Renault, BMC, Fiat) auch innerhalb der Limousinenklasse 1500-1800 eine große Auswahl. Wie gesagt: Diese Konkurrenten waren oft preislich konkurrenzfähiger und konnten auch innerhalb dieser Klasse einen höheren Ruf vorweisen.

13.789 mal als Glas gebaut

Ab der zweiten Hälfte der sechziger Jahre klopften japanische Hersteller auch mit Konkurrenten an europäische Türen, zum Beispiel mit dem preisgünstigen Toyota Corona RT4# und dem Mazda Luce. Obwohl die Glasserie 1700 hoch gelobt wurde, wurde das Auto spärlich bestellt. Von 1964 bis Ende 1967 produzierte Glas insgesamt 13.789 Fahrzeuge der 1700er Limousine. 928 Einheiten liefen als 1700 TS vom Band. Der Glas 1700 wurde 284 mal mit dem erwähnten Automatikgetriebe Dickomat bestellt.

Von als BMW SA Modelle

Nachdem Glas im November 1966 (freiwillig) von BMW übernommen wurde, wurden die letzten Glas 1700 Modelle überarbeitet. Zudem wurde die von Frua entworfene Kombi-Variante noch nicht serienreif gemacht. In normalem Niederländisch: er wurde aus den Zukunftsplänen entfernt. BMW hat nach der Übernahme alle Aktien von Glas übernommen. Damit wurde sichergestellt, dass auch die noch nicht verkauften Exemplare 1700 und 1700 TS strengen Qualitätskontrollen von BMW unterzogen wurden. Auch aufgrund dieser Entwicklung wurden 1700 Glaseinheiten mit BMW Radkappen und BMW Freigabestempel verkauft. 1968 verlegte BMW die Produktionslinie des Glas 1700 nach Südafrika. Dort wurde das Auto mit BMW M10 Motoren in Südafrika als BMW 1800SA und 2000 SA verkauft. Das dauerte bis Mitte 1973.

Die allerletzten Anpassungen

Danach wurde Fruas ursprüngliches Design noch einmal angepasst. Das Design bekam jetzt den BMW-Kühlergrill aus diesen Jahren (mit Doppelscheinwerfern) und ein neues Armaturenbrett. Das Auto wurde in Südafrika nach den Modifikationen für ein weiteres Jahr als BMW 1804 SA und BMW 2004 SA verkauft. So setzte sich Fruas Design über zehn Jahre fort, obwohl die Hans Glas GmbH mit seinem schönen Mittelklassewagen wohl auch einen anderen Weg vor Augen hatte. So wie er es in all seinen Ambitionen für sein Unternehmen hatte, denn Glas hat in den sechziger Jahren sicherlich schöne Autos gebaut. Wie der 1700, der zu einem der niederbayerischen Vorbilder deutscher Ingenieurskunst und italienischer Designkunst wurde. Ein schönes Auto.

Glas 1500 Prototyp
Glas 1700 DGF
Glas 1700 TS
Glas 1700
BMW 1800 SA
BMW 1804

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10 Kommentare

  1. Anfang der 1980er Jahre lebte ich zwischen Marburg und Gießen in Deutschland. Zwei Dörfer weiter gab es einen Schrottplatz. Sie hatten eine Glas 1700-Limousine in nahezu perfektem Zustand, jedoch ohne die erforderlichen Papiere. Sie wollten nicht viel Geld, aber als Student konnte ich mir nur einen VW Käfer 1949 (!) Standard und später eine Vespa 150 Sprint Veloce leisten. Schade.

    • Lieber Michael. Nein, das war BMW schon früher. Die Neue Klasse hatte ihn bereits, und er wurde einige Jahre vor dem Glas 1700 vorgestellt und auch bevor Glas den 1700 als 1500-Prototyp auf der IAA in Frankfurt präsentierte.

  2. Ich besitze verschiedene Glasmodelle, darunter Goggo Coupe-1204-1300 GT Cabriolet-V8

    Alles in restauriertem Zustand, ich habe in den XNUMXer Jahren als Mechaniker bei einem Händler in Eindhoven gearbeitet,

    Für mich immer noch ein Auto, das seiner Zeit weit voraus war.

  3. Das Fahren in einem Glas war wirklich etwas Besonderes. „Unser“ Anton Geesink ist damit auch gefahren und wenn ich mich recht erinnere hat er auf der A4 bei Utrecht eine Tasse Kaffee damit getrunken. Etwas mit einem Mittelstreifen, das seinen Job gemacht hat.

  4. Als Sohn eines Morris/MG-Händlers habe ich mich natürlich immer für „andere Marken“ interessiert und war sehr beeindruckt von der Glas 60 in den 1300er Jahren, was für eine Kraft, was für eine Beschleunigung; wirklich etwas ganz anderes als die Reaktion eines A- oder B-Motors von BMC mit SU-Vergasern, wo der Drehzahlanstieg natürlich viel langsamer war. Wie auch immer, wenn man das Glas 1700 technisch mit dem Morris Oxford oder MG Magnette vergleicht, liefen einem die BMC-Tränen schnell über die Wangen; eine Welt voller Unterschiede.

  5. Wir waren von 1963 bis 1968 Glashändler Goggo Isar 1004 1204 1304 1700 die GTs schöne Autos Gremi Groningen war Importeur Es gab schöne Jahre mit dieser Marke sie waren nicht billig aber schöne Kundschaft. Gut gemachte sportliche Autos, wir waren in Nijmegen

  6. In der Ferne hatte ich von „Glass“ gehört, wusste es aber nicht. Ich bin total begeistert von diesem einzigartigen Auto mit geradezu beeindruckenden Features.

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